Infos Borderline

  • Der Wunsch, andere sogar auf unsere eigenen Kosten glücklich zu machen (Co-Abhängigkeit)
  • die eigenen Bedürfnisse vernachlässigen
  • übertriebene Nachgiebigkeit
  • Das Gefühl, alles besser machen zu müssen, und das Beste ist nie genug (Perfektionismus).
  • Die Unfähigkeit, den Blick auf sich selbst zu richten, und die Tendenz, sich zu schnell verleiten zu lassen, sich nur noch mit dem Borderliner zu befassen. (Es ist leichter, über Probleme des Anderen nachzudenken, als über die eigenen.)
  • Das Fehlen von klaren Grenzen (Andere Menschen würden Wutausbrüche nicht tolerieren.)
  • Das Gefühl, alles besser zu wissen – was selbst den vernünftigsten Menschen zu einem „Borderline-Wutausbruch“ verleitet.
  • Die Intensität und Hingabe an Verpflichtung und Treue.
  • Eine unerschütterliche Hoffnung, gepaart mit der Erwartung, dass es schaffen zu müssen, etwas Positives zu bewirken, die Umstände zu verbessern.
  • Die Bereitschaft, die geringste "Verbesserung" als unbestreitbaren Fortschritt zu interpretieren
  • Die Bereitschaft, sich selbst aufzugeben, dabei den anderen aus voller Überzeugung nicht aufzugeben und die Unfähigkeit zu erkennen, dass sich dadurch nichts verändert, außer dass die Selbstabwertung vom Anfang des Abwärtsstrudels fortgeführt wird - nur ist sie jetzt eingehüllt in einer Definition der Menschlichkeit.
  • Ein schwaches, verzerrtes Selbstbild oder einfach Selbsthass.
    Nichts ist wirklich gut genug/das Bedürfnis, kritisiert zu werden.
  • Die Rechtfertigung der eigenen Existenz dadurch, dass man für andere lebt.
  • Das Bedürfnis, kontrolliert zu werden/die Unfähigkeit, selbst zu bestimmen.
    Irrationale Loyalität gegenüber anderen - die Bereitschaft, das eigene Ich aufzugeben, aber niemals den anderen.
  • Die Unfähigkeit, eigene verletzte Gefühle zu erkennen, trotz emotionaler Verletzung.
  • Die Neigung, eine Situation zwar augenblicklich beurteilen zu können, jedoch die Reaktion darauf aufzuschieben (wie ein Reh vorm Scheinwerfer).
  • Die Fähigkeit, auf Genugtuung oder Wiedergutmachung – wenn es sein muss für immer – zu verzichten
  • Leid ertragendes Martyrium - niemand anderes könnte dies ertragen. („Aber ich kann es und ich tue es&ldquo.
  • Die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, aber nicht zu delegieren.
  • Die Anfangsfähigkeit, den Wald trotz der Bäume zu sehen, aber schließlich doch nicht in der Lage zu sein, dem Dschungel zu entkommen.
  • Die Unfähigkeit, Menschen zu erlauben, zu versagen oder zu leiden.
  • Die Tendenz, sich für andere verantwortlich zu fühlen, auf Kosten der Verantwortung für sich selbst. ((Wh.))
  • Unsicherheit, was die eigenen Werte betrifft, und die Abhängigkeit von der Meinung anderer.
  • Die Bereitschaft, rückwärts durch brennende Reifen zu springen, einfach alles zu tun, um die Bestätigung eines Menschen zurückzugewinnen, die vorher vorhanden gewesen zu sein schien.
  • Die Entschlossenheit, sich weiter zu bemühen, koste es was es wolle.
  • übermäßige Gewissenhaftigkeit
  • Bereit, "zu gut für diese Welt" zu scheinen, mit guten Absichten, Optimismus, eine versöhnliche Natur, man tritt ein für die bedingungslose Liebe, bietet einen Ort an, wo ein Borderliner sich warm und sicher fühlen kann - für eine gewisse Zeit.
  • Die Überzeugung, die einzige Rettung für den "armen" Borderliner zu sein. („Wenn er oder sie mir vertrauen würde, würden wir beide wahres Glück finden.&ldquo
  • Hingezogensein zu Drama, Leidenschaft und Märchen; Glaube an einen Seelenverwandten als Partner (Und wenn sie nicht gestorben sind ...)
    Wenn ich diesen Menschen ‚rette’, wird er/sie mir ewig verpflichtet und dankbar sein - d.h. wird mich nie verlassen.“ (eigene Ängste, verlassen zu werden)
  • Niedriges Selbstvertrauen, die Überzeugung, nichts Besseres verdient zu haben als das, was man hat.

Was bedeutet Borderline?

Das Borderline-Syndrom ist eine Persönlichkeitsstörung, bei der Symptome einer Neurose und einer Psychose wechselnd auftreten.

Grenzgänger oder Grenzlinie als „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ ist ein aus der Psychoanalyse stammendes theoretisches Konstrukt, mit dem versucht wird, eine Vielzahl von auffälligen Verhaltensweisen und Gefühlen zu erklären, die weder in das psychoanalytische Schema einer neurotischen noch einer psychotischen Störung passen. Die Borderline-Störung galt in psychiatrischer Forschung ursprünglich als Begriff, um Randphänomene im Grenzbereich zu den schizophrenen Störungen genauer zu erfassen. Borderline-Persönlichkeitsstörung wird seit dem DSM III auch so genannt.

Dieses Krankheitsbild zeichnet sich durch sehr unterschiedliche Erscheinungen aus. Meist findet sich ein buntes Sammelsurium vieler Diagnosen in der Krankheitsgeschichte.

Symptome:

  • Angst-(Vernichtungs-,Verlassenheits-,Trennungsan gst)
  • autoaggressives Verhalten
  • Depersonalisations- und Derealisationsgefühle
  • Depressionen
  • Drogenkonsum
  • delinquentes Sozialverhalten
  • extreme Idealisierungen oder Entwertungen
  • Essstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Hysterien
  • Identitätsdiffusion
  • innere Leere
  • impulsive Reaktionsweisen
  • Impulskontrollverlust
  • Kontaktvermeidung - plötzliche Kontaktabbrüche
  • polymorphe Sexualität (stark schwankend in der Ausprägung)
  • Präventivangriffe
  • psychosomatische Symptome
  • Realitätsverlust
  • Rituale und Zwänge
  • Schwarz-Weiß-Denken
  • starkes Kontrollbedürfnis über andere Menschen
  • Sucht
  • Suizidalität
  • Zwangssymptome (überwertige Ideen)

Ursachen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)

Eine Borderline-Symptomatik und ihre Manifestationen sind letztlich das Produkt einer komplexen Mischung von angeborenem Temperament, schwierigen Erfahrungen in der Kindheit und relativ subtilen Formen neurologischer und/oder biochemischer Dysfunktionen.

Entlang diesem multifaktorialen Modell glauben die Forscher, dass 3 Faktoren für die Entwicklung einer BPS notwendig sind: ein Umweltfaktor, ein konstitutioneller Faktor und ein Faktor, der die Interaktion der anderen beiden darstellt oder ein Triggering-Faktor (Auslöser) ist. 

Das dreiteilige Modell der Entwicklung einer BPS besteht somit aus

  • Umweltfaktor: traumatisierende Erfahrungen in der Kindheit
  • Konstitutioneller Faktor: übersteigertes Temperament
  • Interaktionen von 1. und 2. oder auslösendes Ereignis 

Laut Aussage von Untersuchungsberichten, hat jeder Patient eine einzigartige Kombination bei der Entwicklung einer Borderline-Störung, die eine schmerzvolle Abwandlung eines unglücklichen, aber gleich bleibenden Themas ist.

1. Umweltfaktor

Er besteht aus einer häuslichen Umgebung, die im weitesten Sinne traumatisch ist. Es gibt 3 Typen umweltbedingter Traumata, die nach Schweregrad abgestuft werden.

Typ-I-Trauma: Kindheitserfahrungen, die als unglücklich, aber nicht vollkommen unvorhersehbar kategorisiert werden können. Dazu gehören: dauerhafte Trennung oder Scheidung der Eltern in frühester Kindheit, chronische Unsensibilität der Eltern, mangelndes Einfühlungsvermögen in die Gefühle und Bedürfnisse des Kindes  - ernsthafte Konflikte in der Familie, die evtl. zu Trennung oder Scheidung führen.

Typ-II-Trauma: - Erfahrungen verbaler oder emotionaler Misshandlungen - Vernachlässigung altersgemäßer körperlicher Bedürfnisse des Kindes durch die Eltern - eingeschränkte Episoden/einschränkende Phasen psychiatrischer Krankheit der Eltern

Typ-III-Trauma: - Erfahrungen unverhohlener körperlicher Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs - chronische psychiatrische Krankheit, Substanzmissbrauch der Eltern - generell chaotisches, dysfunktionales häusliches Umfeld (z. B. Eltern, die sich wiederholt heftig streiten; Geschwister, die sich gegenseitig körperlich angreifen; niemand befolgt die Familienregeln oder achtet die persönlichen Grenzen eines anderen Familienmitglieds). In diesen Familien existiert nur eine unzureichende Rollenzuteilung, und es besteht kaum die Möglichkeit, Gefühle und Erwartungen auszudrücken. Ihr Ausdruck führt nicht zu einer emphatischen oder unterstützenden Antwort, sondern zu Kritik, Vorwürfen oder stößt auf völliges Desinteresse.

Diese 3 Typen des umweltbedingten Traumas, die sich häufig in den Geschichten von BPS-Patienten finden, können abwechselnd oder gleichzeitig auftreten. Neueste Ergebnisse der Forschung zeigen, dass etwa die Hälfte der BPS-Patienten von einem Typ-I- und/oder Typ-II-Trauma in der Kindheit berichteten. Die andere Hälfte berichtete sogar von allen 3 Typen. Bei einem Drittel der Patienten, die von schwerem Missbrauch oder Misshandlungen berichten, kommt dem erlebten Trauma eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer BPS zu. Bei den Übrigen haben andere Faktoren eine bedeutendere Rolle gespielt. 

Vorläufig empirisch erforschte 6 Faktoren, die äthiologische Bedeutung für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeitsstörung haben:

3 Umweltfaktoren (traumatisierende Kindheitserfahrungen)

  • Trennung/Scheidung/Verlust eines Elternteils in früher Kindheit
  • gestörte Beziehung zu den Eltern
  • Kindheitserfahrungen von Missbrauch oder Misshandlung 
  • 3 konstitutionelle Faktoren (angeborene und/oder erworbene Verletzbarkeit)
    • familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen 
    • temperamentsbedingte Verletzbarkeit
    • Fehlregulationen der Neurotransmittersysteme und neurologische Dysfunktionen 

    Trennung/Scheidung/Verlust eines Elternteils in früher Kindheit

    Dauerhafte Trennung/Scheidung der Eltern oder Verlust eines Elternteils kommt bei Borderline-Patienten häufig vor (37 % - 64 %).

    Dauerhafte Trennung/Scheidung der Eltern oder Verlust eines Elternteils unterscheidet Borderline-Patienten auffallend von anderen. So berichtete ein signifikant höherer Prozentsatz von BPS-Patienten davon als bei Kontrollgruppen mit Psychose, affektiven oder Persönlichkeitsstörungen.

     

    Gestörte Beziehung zu den Eltern

    Studien ergaben:

    • Borderline-Patienten sehen das Verhältnis zu ihrer Mutter gewöhnlich als konfliktbeladen, distanziert oder unbeteiligt an
    • Das fehlende Engagement des Vaters hat sogar einen noch stärkeren (diskriminierenden) Effekt als das problematische Verhältnis zwischen Mutter und Kind.
    • Gestörte Verhältnisse zu beiden Elternteilen gleichzeitig können sowohl spezifischer als auch pathogener (krankheitsauslösender) für die BPS sein als das gestörte Verhältnis zu nur einem Elternteil, da eine problematische Beziehung des Kindes zu einem Elternteil nicht ausreichend durch eine wirklich positive Beziehung mit dem zweiten Elternteil, die schützend gegen die Psychopathologie wirken würde, ausgeglichen werden kann. Vielmehr ist die elterliche Beziehung in Borderline-Familien oftmals von einer rigiden Festigkeit der ehelichen Beziehungen gekennzeichnet, die Aufmerksamkeit, Unterstützung und Schütz für die Kinder ausschließt
    • Borderline-Patienten berichten einigen Untersuchungen zufolge von häufigem Auftreten von Konflikten, Feindseligkeit und chaotischer Unvorhersehbarkeit in ihren Ursprungsfamilien. Ein hohes Maß an zornigen Konflikten in Kombination mit einem geringen Ausmaß an Struktur und unterstützender Kohäsion darf als wahrscheinlicher Auslöser für ein besonders toxisches familiäres Umfeld angesehen werden.
    • Zwei unterschiedliche Erziehungsstile fanden sich in den Familien von Borderline-Patienten
      a)
      Überengagement der Eltern 
      b)
      Unterengagement der Eltern

    Überengagierte, feindselig-abhängige, trennungsresistente Familien

    Hier stehen die Kinder oft im Kampf mit ihrer Abhängigkeitsproblematik, weil jeder Schritt in Richtung größerer Unabhängigkeit bei den Eltern eine intensive emotionale Reaktion auslöst, andererseits aber die Abhängigkeitsbedürfnisse der Kinder oftmals von der Familie aktiv belohnt werden. Individuationsversuche lösen bei den Eltern Angst vor Kontrollverlust aus, was zu einer gesteigerten Einmischung dieser in die Belange des Kindes führt. Solche familiären Konflikte spitzen sich im Laufe der Zeit spiralförmig zu.

    Unterengagierte Eltern mit geringer Fürsorge und Überprotektion

    Dieses familiäre Muster ist häufiger verbreitet und durch zahlreiche Studien mit verschiedenen Kontrollgruppen abgesichert. Bei den meisten davon fand sich übereinstimmend das Muster, dass Borderline-Patienten beide Elternteile als weniger fürsorglich, aber stärker schützend erlebten als die jeweilige Kontrollgruppe. Die Kombination von geringer Fürsorge und emotionaler Unterstützung sowie Überprotektion bestätigt den von Parker et al. schon 1979 geprägten Begriff der ,,lieblosen Kontrolle". Insgesamt entsteht aus den jüngst veröffentlichten Ergebnissen der Eindruck, dass die pathologische Dynamik der Familien in einer Kombination von elterlichem Überengagement (vor allem Kontrolle) und Vernachlässigung, Unterengagement oder sogar Misshandlung und Missbrauch besteht.  

    Kindheitserfahrungen von Missbrauch und/oder Misshandlung

    • Sowohl körperliche Misshandlung als auch sexueller Missbrauch kommen häufig in der Kindheitsgeschichte von Borderline-Patienten vor. 
    • Über körperliche Misshandlung wird von Borderline-Patienten signifikant häufig berichtet.
    • Über sexuellen Missbrauch wird durchgängig signifikant öfter von BPS-Patienten berichtet als in anderen Krankheitsgruppen.
    • Ein Viertel aller BPS-Patienten berichtet von Kindheitserfahrungen von Eltern-Kind-Inzest.
    • Weitere 25% bis 30 % berichten von sexuellem Missbrauch durch andere Verwandte, Nachbarn oder Gleichaltrige.
    • Borderline-Patienten erreichen im Vergleich zu Kontrollgruppen mit anderen Persönlichkeitsstörungen ungewöhnlich hohe Werte bei Dissoziationserfahrungen.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass kein spezielles Trauma alleine und schon gar kein Einzelereignis für die Entwicklung der ganzen Bandbreite der Borderline-Störung verantwortlich gemacht werden kann. Vielmehr müssen eine chronische und wiederholte Exposition traumatischer Erfahrungen und das gestörte Umfeld, in dem es zu diesen Erfahrungen kommt, als Nährboden für die Entstehung einer Borderline-Störung angesehen werden. Das Fehlen adäquater Unterstützung in Form von stabilen Strukturen, beruhigender Anwesenheit und aktiver Erziehung oder eines entsprechenden Ersatzes in der Familie ist als äthiologischer Faktor für die Entwicklung einer Borderline-Persönlichkeit von größerer Bedeutung als das erlebte Trauma.

    Der zweite notwendige Faktor ist ein anfälliges Temperament. Im Wesentlichen geht es um die neurobiologischen Mechanismen, die der Impulskontrolle und Affektregulation zugrunde liegen und die beide bei Borderline-Patienten häufig beeinträchtigt sind. Eine Dysfunktion in der Regulation von Emotionen und Impulsen kann sich von einer genetischen Anfälligkeit herleiten. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass sich Störungen in der Temperamentregulation auf die Auswirkungen früher, sowohl akuter als auch wiederholter, oder chronischer Traumatisierung zurückführen lassen.

    Familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen

    10 Studien haben sich mit einer Breite von psychiatrischen Störungen bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten beschäftigt. Die Studienergebnisse zusammengenommen zeigen folgende Schlüsse auf: 

    • Es gibt durchgängig wenige Verbindungen zwischen BPS und Schizophrenie oder schizotypischer Persönlichkeitsstörung. 
    • Affektive Störungen, teilweise unipolare affektive Störungen treten bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten durchgängig sehr häufig auf. während die unipolare Depression auch bei Verwandten in den Kontrollgruppen häufig festgestellt wurde. 
    • Die Resultate der Studien legen eine starke familiäre Verbindung zwischen Substanzmissbrauch sowie antisozialer Persönlichkeitsstörung und BPS nahe.
    • Vielleicht am wichtigsten: Alle Studien konstatieren, dass BPS von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. So tritt BPS signifikant häufiger bei Verwandten ersten Grades von BPS-Patienten auf als bei den Kontrollgruppen. Zwillingsstudien an ein- und zweieiigen Zwillingen lassen zunehmend den Schluss zu, dass die BPS selbst zwar nicht vererbbar ist, jedoch die bei einer BPS vorliegende impulsive Aggression und affektive Instabilität. Impulsive Aggression ist auch in der Allgemeinbevölkerung erblich. In der Verwandtschaft von BPS-Patienten sind impulsiv-aggressive Persönlichkeiten und affektive Instabilität gehäuft festgestellt worden. Diese Eigenschaften werden aber unabhängig voneinander vererbt. Somit ist es wahrscheinlich, dass eine Anfälligkeit für eine BPS einer Verbindung verschiedener, zum Teil genetisch determinierter Anteile des Temperaments entspringt.

    Familiäre Neigung zu bestimmten psychiatrischen Störungen

    10 Studien haben sich mit einer Breite von psychiatrischen Störungen bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten beschäftigt. Die Studienergebnisse zusammengenommen zeigen folgende Schlüsse auf: 

    • Es gibt durchgängig wenige Verbindungen zwischen BPS und Schizophrenie oder schizotypischer Persönlichkeitsstörung. 
    • Affektive Störungen, teilweise unipolare affektive Störungen treten bei Verwandten ersten Grades von Borderline-Patienten durchgängig sehr häufig auf. während die unipolare Depression auch bei Verwandten in den Kontrollgruppen häufig festgestellt wurde. 
    • Die Resultate der Studien legen eine starke familiäre Verbindung zwischen Substanzmissbrauch sowie antisozialer Persönlichkeitsstörung und BPS nahe.
    • Vielleicht am wichtigsten: Alle Studien konstatieren, dass BPS von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. So tritt BPS signifikant häufiger bei Verwandten ersten Grades von BPS-Patienten auf als bei den Kontrollgruppen. Zwillingsstudien an ein- und zweieiigen Zwillingen lassen zunehmend den Schluss zu, dass die BPS selbst zwar nicht vererbbar ist, jedoch die bei einer BPS vorliegende impulsive Aggression und affektive Instabilität. Impulsive Aggression ist auch in der Allgemeinbevölkerung erblich. In der Verwandtschaft von BPS-Patienten sind impulsiv-aggressive Persönlichkeiten und affektive Instabilität gehäuft festgestellt worden. Diese Eigenschaften werden aber unabhängig voneinander vererbt. Somit ist es wahrscheinlich, dass eine Anfälligkeit für eine BPS einer Verbindung verschiedener, zum Teil genetisch determinierter Anteile des Temperaments entspringt.

    Fehlregulationen der Neurotransmittersysteme und neurologische Dysfunktionen

    Die Ergebnisse der Studien zu neurologischen oder biochemischen Fehlfunktionen bei Borderline-Patienten sind uneindeutig.
    Die Hälfte der Studien findet im Vergleich mit Kontrollgruppen mit psychiatrischen oder PS-Diagnosen Unterschiede (1-mal sogar signifikant): Entwicklungsdefizite, Intelligenzminderung, abnormale EEG-Werte, abnormale CT-Werte. Die andere Hälfte meint, dass sich die BPS-Patienten in ihren Werten nicht von normalen oder klinischen Kontrollgruppen unterscheiden.
    Am besten abgesichert sind die Ergebnisse der Studien, welche die neurobiologischen Mechanismen der beiden zentralen Störungsbereiche der BPS untersucht haben, und zwar die impulsive Aggression und fehlende Wutkontrolle sowie die affektive Instabilität.
    Mehrere Studien wiesen einen Zusammenhang zwischen impulsiver Aggression und einer herabgesetzten serotonergen Reaktion nach, der bei BPS-Patienten, aber auch bei anderen PS-Patienten auftritt. Dies betrifft sowohl Autoaggression (selbstschädigendes Verhalten, Suizidversuch) als auch Fremdaggression (Wutausbrüche, Gewalt). Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (CT, PET, fMNR) belegen, dass eine serotonerge Hypoaktivität in einzelnen Hirnregionen mit der Auslösung und Kontrolle von aggressivem Verhalten assoziiert sind.
    Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der dopaminergen Aktivität und Aggression. Die Untersuchungen dazu sind allerdings widersprüchlich.

     


    Borderline :

    • bedeutet für mich ein Mensch der sehr sensibel, mitfühlend, verständnisvoll, aber auch hochgradig verletzbar ist.
    • ist für mich wie eine Reise ohne Fahrschein und der Kontrolleur naht.
    • ist wie ein Leben ohne feste Wurzeln.
    • ist wie eine Reise im Zug, dessen Notbremse defekt ist.
    • zu sein bedeutet für mich, ein Baum zu sein der versucht seine Wurzeln in harten Beton zu schlagen.
    • ist ein Land, das immer wieder droht mich zu verschlingen.
    • ist ein Leben am Rande des Aushaltbaren.
    • ist der Abgrund, an dem ich steh.
    • ist wie ein Kind, das in einem erwachsenen Körper lebt.
    • ist die Blume, die nie erblühen durfte.
    • bedeutet für mich, rote Tränen weinen zu müssen.
    • bedeutet, das ich die die ich liebe verletzen muss.
    • bedeutet für mich, einsam zu sein, weil ein du für mich unerreichbar ist.
    • ist der Alptraum, aus dem es kein Erwachen gibt.
    • bedeutet ein Kind zu sein, das verzweifelt nach seiner Mutter sucht.
    • bedeutet für mich, dass ich mich nie auf mich verlassen kann.
    • ist für mich eine geniale Überlebensstrategie der Psyche in einer Hölle, das Problem dabei ist nur, diese gelernten Verhaltensmuster wieder los zu lassen, wenn die äußere Hölle vorbei ist. Solange dies nicht gelingt lebt man in einer anderen inneren Hölle weiter.
    • ist irgendwie ganz schön kompliziert und schwierig zu beschreiben.
    • bedeutet für mich Gefühle wie in einer ungewollten/erzwungenen Fahrt in der Seilbahn.
    • ist der ständige Kampf zwischen Wollen und Nicht-Wollen, Müssen und Nicht-Müssen.
    • ist der Kampf zwischen Rationalität und Irrationalität.
    • ist der Kampf der Gefühle gegen die Realität.
    • den ganzen Farbkasten des Lebens in seiner Intensität gleichzeitig zu leben - von tiefschwarz bis grellpink - Lieben und Leiden in einem Augenblick ohne dass auch nur eine kleine Nuance des "kreativen Chaos" verloren geht.
    • ist für mich "Borderline"! Ich möchte versuchen, es als "kreatives Chaos" zu sehen, weil diese "Störung" viele Türen öffnet, die für andere verschlossen sind - wir aber gerade genau darunter leiden. Trotz allem möchte ich die Kreativität, die ich gewonnen habe, nicht mehr missen.
    • Segen und Fluch gleichermaßen.
    • ist Himmel und Hölle zusammen.
    • bedeutet für mich ein irrsinniges Gefühlschaos zwischen Liebe und Hass, Idealisierung und Abwertung, in einer schwarz-weissen Welt, ohne Grenzen.
    • ist wie eine ständig wieder tickende, sich selbsterneuernde Zeitbombe, man spürt sie, weiß aber nie, wann sie explodiert!
    • ist ein stimmungsschwankendes, selbstzerstörerisches, süchtiges, Monster !
    • ist eine gespaltene, unsichere Seele, die kein "entweder-oder" kennt!
    • ist, wenn man innen langsam stirbt und sich trotzdem viel zu lebendig fühlt für diese tote Welt.

    Diagnostische Verfahren

    Die Abkürzung ICD steht für "International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems". Die Ziffer 10 bezeichnet deren 10. Revision. Diese Klassifikation wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt und ist auch für psychologische und psychotherapeutische Diagnostik verbindlich.

     

    F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

     

    Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung. Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen können unterschieden werden: Ein impulsiver Typus, vorwiegend gekennzeichnet durch emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle, und ein Borderline- Typus, zusätzlich gekennzeichnet durch Störungen des Selbstbildes, der Ziele und der inneren Präferenzen, durch ein chronisches Gefühl von Leere, durch intensive, aber unbeständige Beziehungen und eine Neigung zu selbstdestruktivem Verhalten mit parasuizidalen Handlungen und Suizidversuchen.

     

    Man unterscheidet hierbei  zwei Gruppen:

    • F60.30 impulsiver Typus
    • F60.31 Borderline Typus

     

    F60.30 impulsiver Typus

     

    Die wesentlichen Charakterzüge sind emotionale Instabilität und mangelnde Impulskontrolle. Ausbrüche von gewalttätigem und bedrohlichem Verhalten sind häufig, vor allem bei Kritik durch andere.

    Mindestens drei der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen müssen vorliegen, darunter:

      • deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln;
      • deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit anderen, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden;
      • Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens;
      • Schwierigkeiten in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden;
      • unbeständige und unberechenbare Stimmungen.

       

    F60.31 Borderline-Typus

    Einige Kennzeichen emotionaler Instabilität sind vorhanden, zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und "innere Präferenzen" (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl innerer Leere. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden, und mit Suiziddrohungen oder selbstschädigenden Handlungen (diese können auch ohne deutliche Auslöser vorkommen).

    Mindestens drei der oben unter F60.30 erwähnten Kriterien müssen vorliegen und zusätzlich mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen:

    • Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und "inneren Präferenzen" (einschließlich sexueller);
    • Neigung, sich auf intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen;
    • übertriebene Bemühungen, das Verlassenwerden zu vermeiden;
    • wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung;
    • anhaltende Gefühle von Leere.

     

    Diagnostisches und Statistisches Manual für psychische Störungen ( DSM) der American Psychiatric Association

      DSM - IV

    1. Ein verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Verlassenwerden zu verhindern (außer Suizid oder Selbstverstümmelung).
    2. Ein intensives Muster von instabilen, intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch einen Wechsel zwischen den beiden Extremen Überidialisierung und Abwertung   auszeichnet.
    3. Identitätsstörung: Anhaltend und deutlich gestörtes, verzerrtes oder instabiles Selbstbild   bzw. Gefühl für die eigene Person (z. B. das Gefühl, nicht zu existieren oder das Böse zu     verkörpern).
    4. Impulsivität bei mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Aktivitäten (Geldausgeben, Sexualität, Substanzmissbrauch, Ladendiebstahl, rücksichtsloses Fahren, Fressanfälle – außer Suizid oder Selbstverstümmelung).
    5. Wiederholte Suiziddrohungen, -gesten oder -versuche oder selbstverstümmelnde              Verhaltensweisen.
    6. Instabilität im affektiven Bereich: Ausgeprägte Stimmungsschwankungen (z. B. Euphorie,   Reizbarkeit, Angst), wobei diese Zustände gewöhnlich ein paar Stunden, seltener länger als einige Tage andauern.
    7. Chronisches Gefühl der Leere.
    8. Übermäßige, starke Wut oder Unfähigkeit, die Wut zu kontrollieren (z. B. häufige               Wutausbrüche, andauernde Wut oder wiederholte Prügeleien).
    9. Vorübergehende, stressabhängige, schwere dissoziative Symptome oder paranoide            Wahnvorstellungen

     


    30.9.07 18:18

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